Gangaji (*1942 als Toni Roberson) ist eine amerikanische spirituelle Lehrerin der Advaita-Tradition. Sie gehört zu den bekanntesten westlichen Vertreterinnen der modernen Nicht-Dualitätslehre. Ihren spirituellen Namen erhielt sie von H. W. L. Poonja, der sie als Schülerin annahm und ihr die direkte Selbsterkenntnis als zentralen Weg vermittelte.
Vor ihrer Begegnung mit Papaji war Gangaji bereits viele Jahre spirituell suchend. Sie beschäftigte sich mit Meditation, Yoga und verschiedenen psychologischen sowie religiösen Wegen. Erst die Begegnung mit Papaji Anfang der 1990er Jahre führte nach ihren Aussagen zu einer grundlegenden Erkenntnis der Nicht-Dualität. Danach begann sie selbst weltweit Satsangs und Retreats zu leiten.
Symbolisch steht Gangaji für das Prinzip des radikalen Anhaltens. Während viele spirituelle Wege auf Entwicklung, Reinigung oder Fortschritt ausgerichtet sind, fordert sie dazu auf, für einen Moment jede Suche aufzugeben. In ihren Lehren erscheint die Wahrheit nicht als Ziel am Ende eines Weges, sondern als etwas, das bereits gegenwärtig ist. Das ständige Streben wird dabei selbst zum Hindernis.
Parapsychologisch-symbolisch ist Gangaji interessant, weil sie die Aufmerksamkeit konsequent von außergewöhnlichen Erfahrungen weglenkt. Visionen, Energiephänomene, mystische Zustände oder paranormale Erlebnisse besitzen in ihrer Lehre keinen besonderen Vorrang. Sie gelten als Erscheinungen im Bewusstsein, nicht als dessen Wesen. Entscheidend ist die Frage: Wer nimmt diese Erfahrungen wahr? Damit verlagert sie die Perspektive vom Inhalt auf den Ursprung des Erlebens.
Ein zentrales Motiv ihrer Arbeit ist die Bereitschaft, unangenehme Gefühle nicht zu vermeiden. Angst, Trauer, Wut oder Unsicherheit sollen nicht überwunden, sondern vollständig bewusst erlebt werden. Dadurch wird die spirituelle Suche nicht zur Flucht vor dem Menschsein, sondern zu einer Begegnung mit dem, was bereits da ist.
In tieferer symbolischer Bedeutung verkörpert Gangaji den Archetyp der Lehrerin der Gegenwart. Sie erinnert an die mystische Einsicht, dass Befreiung nicht durch das Hinzufügen neuer Erfahrungen entsteht, sondern durch das Erkennen dessen, was allen Erfahrungen zugrunde liegt. Ihre Botschaft lautet, dass das Gesuchte nicht in einer fernen Zukunft liegt. Es offenbart sich im Augenblick, in dem die Suche selbst zur Ruhe kommt. Gangaji symbolisiert damit die paradoxe Weisheit, dass das größte Finden oft im Aufhören des Suchens geschieht.