Lung Gom (tib. rlung sgom) bezeichnet in der tibetischen Überlieferung eine Praxis, bei der durch Atemlenkung, Konzentration und rhythmische Bewegung ein Zustand außergewöhnlicher Leichtheit und Ausdauer erreicht werden soll. Wörtlich verweist der Begriff auf „Wind-Meditation“ – Lung als Wind oder Lebenshauch, Gom als meditative Einübung. Es geht nicht um sportliche Leistung, sondern um Veränderung des inneren Bewegungsmodus.
Symbolisch steht Lung Gom für das Prinzip der geteilten Bewegung von Körper und Bewusstsein. Der Läufer läuft nicht gegen die Landschaft, sondern scheint sich mit einem inneren Strom zu synchronisieren. Der Schritt wird gleichmäßig, der Blick fixiert, der Atem reguliert – bis das Gefühl entsteht, nicht mehr selbst zu gehen, sondern getragen zu werden. Bewegung wird hier zur Form von Meditation.
Parapsychologisch-symbolisch lässt sich Lung Gom als Zustand erhöhter Trance-Kohärenz lesen. Wiederholung, Rhythmus und Atemkontrolle senken die gewöhnliche Selbstbeobachtung ab, ohne das Bewusstsein auszuschalten. Es entsteht eine Art funktionale Dissoziation: Der Körper agiert präzise, während das Ich-Gefühl in den Hintergrund tritt. Berichte von außergewöhnlicher Geschwindigkeit oder schwebender Leichtigkeit sind Ausdruck dieser veränderten Selbstwahrnehmung.
In tieferer symbolischer Bedeutung steht Lung Gom für die Möglichkeit, dass Willenskraft nicht durch Anspannung, sondern durch Ausrichtung entsteht. Wer sich dem inneren Wind anvertraut, muss weniger gegen Widerstand arbeiten. Lung Gom ist daher kein Wunder der Physik, sondern ein Bild für die Erfahrung, dass Identität leichter wird, wenn sie sich nicht ständig selbst trägt. Bewegung wird dann nicht erzwungen, sondern geschehen gelassen.