Sahdags (auch Sadag, „Herren des Bodens“) bezeichnen im alten tibetischen Weltverständnis eine Klasse von erd- und ortsgebundenen Schutz- und Besitzwesen, die über Land, Boden, Gestein und bewohnte Räume wachen. Sahdags sind keine universellen Götter, sondern territoriale Mächte, deren Wirksamkeit an konkrete Orte gebunden ist.
Symbolisch stehen Sahdags für das Prinzip der Verwurzelung und Begrenzung. Sie verkörpern das Recht des Ortes auf Achtung. Wo Sahdags geehrt werden, bleibt Ordnung stabil; wo sie missachtet werden, entstehen Störung, Krankheit oder Unglück. Ihr Wirken macht deutlich, dass Raum nicht neutral ist, sondern Anspruch und Gedächtnis besitzt.
Esoterisch gelesen repräsentieren Sahdags die tragende Schicht der Weltordnung. Sie halten, was darüber liegt: Häuser, Dörfer, Wege, Rituale. Der Mensch lebt nicht auf dem Land, sondern in Beziehung zu ihm. Rituale im alten Tibet zielten daher darauf, Sahdags zu besänftigen, anzuerkennen und einzubinden – nicht zu beherrschen.
In tieferer symbolischer Bedeutung stehen Sahdags für die Einsicht, dass jede Handlung einen Ort betrifft. Bewegung, Bau, Nutzung und Besitz greifen in bestehende Ordnungen ein. Sahdags erinnern daran, dass Stabilität nicht abstrakt ist, sondern aus respektierter Bindung entsteht. Sie verkörpern das Maß zwischen Nutzen und Achtung, zwischen Aneignung und Zugehörigkeit.