Eine veridike Halluzination bezeichnet in der Parapsychologie und psychischen Forschung eine Wahrnehmung, die zwar die Form einer Halluzination besitzt, sich jedoch nachträglich als sachlich zutreffend erweist. Die betroffene Person sieht, hört oder erlebt etwas, das zum Zeitpunkt der Wahrnehmung eigentlich nicht über die normalen Sinne zugänglich sein sollte, später aber durch unabhängige Informationen bestätigt wird.
Der Begriff stammt vom lateinischen veridicus („wahrheitsgemäß“, „wahrheitssprechend“). Im Unterschied zur gewöhnlichen Halluzination wird die Wahrnehmung hier nicht als rein subjektive Fehlwahrnehmung verstanden, sondern als Erlebnis mit einem unerwarteten Bezug zu realen Ereignissen.
Symbolisch steht die veridike Halluzination für das Prinzip der wahrheitstragenden Erscheinung. Das Bild oder die Vision erscheint zunächst wie Fantasie, Traum oder Täuschung. Erst später offenbart sich eine Übereinstimmung mit der Wirklichkeit. Dadurch wird die klare Trennung zwischen Einbildung und Erkenntnis infrage gestellt.
Parapsychologisch-symbolisch gehört die veridike Halluzination zu den klassischen Grenzphänomenen. Besonders häufig wurde sie im Zusammenhang mit Krisenerscheinungen, Todesfällen, Telepathie und Vorahnungen diskutiert. Typisch sind Berichte, in denen Menschen plötzlich die Gestalt eines Verwandten sehen und später erfahren, dass dieser zur gleichen Zeit verunglückt oder verstorben war. Solche Fälle spielten in den Untersuchungen der frühen psychischen Forschung eine zentrale Rolle.
Psychologisch betrachtet lässt sich das Phänomen als besondere Form intuitiver Verarbeitung, unbewusster Mustererkennung oder nachträglicher Sinnbildung interpretieren. Parapsychologische Deutungen sehen darin hingegen mögliche Hinweise auf außersinnliche Informationsaufnahme. Eine allgemein akzeptierte Erklärung existiert bis heute nicht.
In tieferer symbolischer Bedeutung steht die veridike Halluzination für die Frage, ob das Bewusstsein gelegentlich Informationen aufnehmen kann, die außerhalb seines gewöhnlichen Wahrnehmungsbereichs liegen. Sie verkörpert die Unsicherheit darüber, wo die Grenze zwischen Imagination und Erkenntnis verläuft. Das Phänomen erinnert daran, dass nicht jede Vision falsch sein muss und dass Wahrheit manchmal in einer Form erscheint, die zunächst wie Täuschung aussieht. Die veridike Halluzination symbolisiert damit die Möglichkeit einer verborgenen Korrespondenz zwischen innerem Bild und äußerem Ereignis.