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Lung

Lung

Lung (tib. rlung, „Wind“) bezeichnet in der tibetischen Symbolik und Heilkunde eine bewegende, tragende Kraft, die zwischen Körper, Atem und Bewusstsein vermittelt. Lung ist nicht bloß physischer Wind und auch nicht identisch mit Atem, sondern die dynamische Qualität von Bewegung selbst. Es ist das, was Dinge in Gang setzt – Gedanken ebenso wie Impulse im Körper.

Symbolisch steht Lung für das Prinzip der unsichtbaren Trägerschaft. Man sieht nicht den Wind, sondern seine Wirkung. Ebenso zeigt sich Lung in Stimmung, Unruhe, Klarheit oder Zerstreuung. Wenn Lung geordnet ist, wird Wahrnehmung stabil und Denken fokussiert; wenn Lung zerstreut oder blockiert ist, entstehen Nervosität, innere Kälte oder geistige Sprunghaftigkeit. Lung ist damit weniger Substanz als Bewegungszustand.

Parapsychologisch-symbolisch lässt sich Lung als Schwellenmedium des Bewusstseins verstehen. Veränderungen im Lung verändern die Qualität mentaler Erfahrung: erhöhte Sensibilität, Visionen, Angstzustände oder Euphorie können als Ausdruck verschobener Windzustände gelesen werden. Lung bestimmt nicht den Inhalt des Bewusstseins, sondern dessen Geschwindigkeit und Richtung.

In tieferer symbolischer Bedeutung steht Lung für die Erkenntnis, dass Stabilität nicht aus Starrheit entsteht, sondern aus rhythmischer Bewegung. Wind ist nur gefährlich, wenn er ungebunden weht; eingebettet in Kreisläufe wird er tragend. Lung erinnert daran, dass Geist nicht festgehalten werden darf. Wer versucht, Lung zu fixieren, erzeugt Störung. Wer ihn führt, ohne ihn zu zwingen, erfährt getragenes Gleichgewicht.

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