Zoanthropie bezeichnet den Zustand oder die Vorstellung, dass ein Mensch sich als Tier erlebt, mit einem Tier identifiziert oder glaubt, tierhafte Eigenschaften vollständig angenommen zu haben. In medizinisch-psychiatrischen Kontexten gilt sie als seltene Form der Identitätsveränderung; in mythologischen und esoterischen Traditionen erscheint sie dagegen als Grenzerfahrung zwischen Mensch und Naturwesen.
Symbolisch steht Zoanthropie für das Prinzip der Rückkehr in vor-rationale Bewusstseinsschichten. Das Tier verkörpert Instinkt, unmittelbare Wahrnehmung, Körpernähe und ungefilterte Reaktion. Wenn der Mensch „zum Tier wird“, bedeutet dies symbolisch nicht bloß Verlust von Kultur, sondern das Hervortreten eines älteren, tieferen Anteils des Selbst, der gewöhnlich unter sozialer Ordnung verborgen bleibt.
Parapsychologisch-symbolisch lässt sich Zoanthropie als Identifikations-Trance verstehen. Durch intensive Imagination, emotionale Aufladung oder rituelle Praktiken kann das Bewusstsein bestimmte tierhafte Muster so stark übernehmen, dass Wahrnehmung, Haltung und Verhalten sich verändern. Entscheidend ist nicht die physische Verwandlung, sondern die subjektive Erfahrung einer verschobenen Selbststruktur.
In tieferer symbolischer Bedeutung steht Zoanthropie für die Ambivalenz zwischen Zivilisation und Ursprünglichkeit. Das Tierhafte erscheint zugleich bedrohlich und befreiend: als Verlust rationaler Kontrolle, aber auch als Rückgewinnung unmittelbarer Lebendigkeit. Zoanthropie erinnert daran, dass der Mensch nie vollständig von seiner Natur getrennt ist – und dass unter der kulturellen Identität weiterhin ein archaisches Bewusstseinsfeld wirkt.