Allopsychie bezeichnet eine Verschiebung des seelischen Zentrums, bei der das Eigene nicht mehr als Ursprung der Wahrnehmung erlebt wird, sondern das Bewusstsein sich in das Andere verlagert. Gedanken, Gefühle oder Impulse erscheinen fremd, wie von außen kommend, als spräche eine andere Ordnung durch die eigene Psyche.
Symbolisch steht Allopsychie für den Zustand der durchlässigen Grenze zwischen Ich und Welt. Sie kann als Schattenform der Ekstase verstanden werden: Nicht das Selbst dehnt sich aus, sondern es wird überschrieben. In esoterischer Lesart markiert sie einen gefährlichen wie auch erkenntnisreichen Schwellenraum, in dem Individuation suspendiert ist und archetypische oder kollektive Inhalte Besitz ergreifen.
Allopsychie mahnt zur Unterscheidung zwischen Inspiration und Invasion. Sie erinnert daran, dass Öffnung ohne Verankerung zum Verlust der inneren Mitte führt – und dass das Fremde nur dann Weisheit bringt, wenn es bewusst integriert wird.