Terma (tibetisch གཏེར་མ་, wörtlich „Schatz“) bezeichnet im tibetischen Buddhismus verborgene Lehren, die bewusst für spätere Zeiten hinterlegt wurden, um dann zu erscheinen, wenn Wesen und Umstände reif sind. Terma sind keine zufälligen Funde, sondern zeitversetzte Offenbarungen, die sich an die geistige Kapazität kommender Generationen anpassen.
Symbolisch steht Terma für das Gedächtnis des Erwachens, das nicht linear überliefert, sondern zyklisch erinnert wird. Die Lehre verschwindet nicht, sie ruht – im Felsen, im See, im Himmel oder im Geist – bis die passende Resonanz entsteht. In diesem Sinn sind Termas weniger Texte als Antworten auf eine Zeit.
Esoterisch unterscheidet man äußere Termas (physische Texte oder Objekte), innere Termas (Visionen, Klänge, spontane Einsichten) und geheime oder Geist‑Termas, die direkt als Erkenntnis im Bewusstsein auftauchen. Die Finder dieser Schätze heißen Tertöns – nicht Autoren, sondern Erinnernde, deren Geist mit der ursprünglichen Absicht der Lehre in Einklang tritt.
Traditionell wird Padmasambhava als der große Begründer der Terma‑Überlieferung angesehen. Er verbarg Lehren, Rituale und Praxiszyklen, um sie vor Verfälschung zu schützen und zeitgerecht neu zu beleben. Terma sind daher lebendige Lehre: Dharma, das aufwacht, wenn die Welt es braucht.
Symbolische Ebenen:
Zeitlich: nicht-lineare Übertragung von Weisheit
Psychisch: Wiedererinnerung des Ursprünglichen
Mystisch: Offenbarung jenseits von Autorschaft
Schlüsselbilder: versiegelte Schriftrollen, Felsen und Seen, Lichtvisionen, plötzliche Einsicht, der Moment des Findens