Alp bezeichnet in der mitteleuropäischen Mythologie ein nächtliches Wesen, das sich auf die Brust Schlafender setzt und Atem, Traum und Körpergefühl bedrängt. Symbolisch verkörpert der Alp den Grenzbewohner zwischen Bewusstsein und Unbewusstem, einen Parasiten der Schwelle, der dort wirkt, wo das Ich die Kontrolle verliert, aber noch nicht ganz verschwunden ist.
Esoterisch steht der Alp für unintegrierte Inhalte, die im Moment der Entspannung Macht gewinnen. Er ist kein Dämon der Tiefe (Theta), sondern ein Wesen des fehlgeschlagenen Übergangs: Der Mensch ist aus dem Tagesbewusstsein herausgefallen, ohne in die Tiefe eingebettet zu sein. Der Alp entsteht dort, wo Alpha nicht trägt und Beta nicht mehr schützt.
Der Alp ist auch ein Lehrer durch Schrecken. Er zwingt zur Auseinandersetzung mit Angst, Atem und Körperbindung. In symbolischer Lesart zeigt er an, dass etwas „auf der Seele liegt“, das weder gedacht noch geträumt werden darf – und sich deshalb auf den Leib setzt.