Die Fomore oder Fomori sind ein geheimnisvolles Volk der irischen Mythologie. In den mittelalterlichen Überlieferungen erscheinen sie als uralte Mächte, die bereits vor den späteren Götter- und Heldengeschlechtern existierten. Sie werden häufig als Riesen, dämonische Wesen oder übernatürliche Bewohner der Randgebiete der Welt beschrieben. Ihr Name wird oft mit Meer, Dunkelheit oder Unterwelt in Verbindung gebracht, auch wenn seine genaue Herkunft unsicher ist.
Die Fomore treten besonders in den Sagen um die Tuatha Dé Danann auf. Dort erscheinen sie als Gegenspieler der licht- und kulturbringenden Mächte. Berühmt ist vor allem die Schlacht von Mag Tuired, in der der Heldengott Lugh den einäugigen Fomorenkönig Balor besiegt.
Symbolisch stehen die Fomore für die Kräfte des ursprünglichen Chaos. Sie verkörpern jene wilden, ungeordneten und oft bedrohlichen Aspekte der Natur, die der menschlichen Ordnung vorausgehen. Während die Tuatha Dé Danann Kultur, Kunst und Harmonie repräsentieren, stehen die Fomore für die rohe Macht des Ungezähmten, Unbewussten und Elementaren.
Parapsychologisch-symbolisch lassen sich die Fomore als Archetypen der Schattenkräfte verstehen. Sie verkörpern jene psychischen Energien, die verdrängt, gefürchtet oder noch nicht bewusst integriert wurden. In vielen Mythen besitzen sie deformierte Körperformen: ein Auge, einen Arm oder ein Bein. Solche Merkmale können symbolisch als Ausdruck einer einseitigen, unvollständigen oder ungebändigten Kraft verstanden werden.
Gleichzeitig sind die Fomore nicht ausschließlich negativ. In einigen Überlieferungen bestehen Verwandtschaftsbeziehungen zwischen Fomoren und den Tuatha Dé Danann. Dadurch wird deutlich, dass Ordnung und Chaos nicht völlig getrennt sind. Das Leben benötigt beide Pole: die gestaltende Kraft und die rohe Energie, aus der Neues entstehen kann.
In tieferer symbolischer Bedeutung verkörpern die Fomore den Archetyp des Urchaos vor der Schöpfung. Sie erinnern daran, dass jede Ordnung auf einem Hintergrund ungeformter Möglichkeiten entsteht. Die Kämpfe zwischen Fomoren und Göttern sind daher nicht nur äußere Schlachten, sondern Bilder eines inneren Prozesses: der Auseinandersetzung zwischen Bewusstsein und Unbewusstem, Form und Formlosigkeit, Kultur und Natur. Die Fomore symbolisieren jene gewaltigen Kräfte, die zunächst als Bedrohung erscheinen, letztlich aber zur Entwicklung einer höheren Ordnung beitragen.